Bei einem medizinischen Notfall geht es oft um Sekunden. Schnell abrufbare Informationen über den Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten können dann buchstäblich lebensrettend sein – insbesondere wenn Patientinnen oder Patienten nicht mehr ansprechbar sind. Deshalb können Sie nun wichtige Informationen für den Notfall auf Ihrer Gesundheitskarte hinterlegen lassen.

Welche Vorteile bieten die Notfalldaten?

Notfalldaten sorgen für gute Versorgung im Ernstfall

Bei einem Notfall sind schnelle Entscheidungen gefragt. Mit dem Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte liegen der Rettungsärztin direkt alle Informationen vor, um diese zu treffen. So weiß sie zum Beispiel sofort, ob bei einem Patienten notfallrelevante Allergien vorliegen oder dieser Implantate hat.
Fragen zur Gesundheitskarte beantwortet die jeweilige Krankenkasse.

Notfalldaten retten Leben

Ist ein Patient im Notfall nicht mehr ansprechbar, können wertvolle Informationen verloren gehen – etwa, dass er dauerhaft wichtige Medikamente einnimmt. Durch die Notfalldaten können alle behandelnden Personen besser informiert reagieren. Neben Ärztinnen dürfen in Notfällen auch Psychotherapeutinnen und Apothekerinnen die Daten lesen. 

Notfalldaten sind freiwillig und sicher

Ob er einen Notfalldatensatz anlegen will oder nicht, entscheidet ausschließlich der Versicherte. Er legt auch fest, wer diesen wann einsehen kann und wer im Notfall zu benachrichtigen ist, etwa Lebenspartner und behandelnde Fachärztin. Er kann zudem weitere Informationen ergänzen lassen, etwa ob und wo ein Organspendeausweis vorliegt.

Notfalldaten sind vertrauenswürdig

Alle Notfalldaten sind ärztlich bestätigt. Der Versicherte selbst kann die Daten nicht verändern. Damit können sich alle behandelnden Personen sicher sein, dass die im Datensatz hinterlegten Informationen medizinisch fundiert sind. Wichtig ist zugleich, dass die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

Notfalldaten helfen auch bei normalen Behandlungen

Auch wenn kein akuter Notfall vorliegt, informiert der Notfalldatensatz Ärztinnen, Psychotherapeutinnen und Apothekerinnen – vorausgesetzt, der Versicherte gibt ihnen vorab jeweils die Einsicht frei. Bei einer dementen Person kann zum Beispiel hinterlegt werden, ob diese an einer Weglaufgefährdung leidet – eine wichtige Information für den Erstkontakt.

Was sind eigentlich Notfalldaten?

Eine Frage von Sekunden

Wichtige Informationen für die Notfallversorgung

In Sekunden zur richtigen Diagnose: Fiktives Beispiel

In Notfällen geht es oft um Sekunden. Je schneller die Diagnose erfolgt, desto besser können Ärztinnen und Ärzte helfen. Doch oft sind die Menschen, die sie behandeln, kaum noch ansprechbar. Haben diese vorher wichtige Notfalldaten auf der Gesundheitskarte hinterlegen lassen, kann dies nun lebensrettend sein.

  • Von außen ist vieles unsichtbar

    Der 73-jährige Herr Schmidt bricht auf der Straße zusammen und ist bewusstlos. Passanten beobachten dies und rufen den Rettungsdienst. Dieser stellt Herzrhythmusstörungen fest und bringt Herrn Schmidt schnell in das nächste Krankenhaus.

  • Schneller zur richtigen Diagnose

    Kardiologin Dr. Becker liest im Krankenhaus die Notfalldaten aus, die Herr Schmidt vor einigen Monaten Zeit auf seiner Gesundheitskarte hinterlegen ließ. So erfährt sie, dass Herr Schmidt bereits früher Herzrhythmusstörungen hatte und seit einem Jahr einen Herzschrittmacher trägt. 

  • Rücksprachen werden einfach

    Auch die telefonischen Kontaktdaten des behandelnden Kardiologen von Herrn Schmidt  stehen in seinem Notfalldaten-Satz. Dr. Becker ruft diesen nun an, um zu erfahren, welches Modell des Herzschrittmachers Herr Schmidt trägt und wie die Operation damals verlief. 

  • Individuelle Hilfe im Notfall

    Nun ist klar: Der Herzschrittmacher hat das Problem verursacht und muss entfernt werden. Dr. Becker setzt Herrn Schmidt ein neues Modell ein. Die Operation verläuft gut. 

  • Früher wieder gesund

    Dank der schnellen Diagnose und Operation kann sich Herr Schmidt von dem Vorfall schon bald wieder erholen. Bevor er das Krankenhaus verlässt, lässt er von Dr. Becker noch seine Notfalldaten aktualisieren, denn sicher ist sicher. 

Stimmen aus der Praxis

Priv.-Doz. Dr. med. Christian Juhra

Stabsstelle Telemedizin, Universitätsklinikum Münster

Dr. med. Dominik Pförringer

Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin

Andreas C. große Bockhorn

Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Palliativmedizin

Prof. Dr. med. Michael J. Raschke

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Direktor der Klinik Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster

Zusätzliche Informationen

Broschüre: Wenn es um Sekunden geht
PDF | 1 MB | 15.12.2021
Praxisbeispiel: Notfalldaten
PDF | 641 KB | 08.12.2021
Auf einen Blick: Notfalldaten
PDF | 421 KB | 08.12.2021
Checkliste: Notfalldaten auslesen
PDF | 71 KB | 02.11.2021
Checkliste: Notfalldaten anlegen
PDF | 109 KB | 02.11.2021
Leitfaden für Ärzte, Zahnärzte und medizinisches Fachpersonal
PDF | 819 KB | 02.11.2021

Fragen und Antworten

Was ist das Notfalldatenmanagement (NFDM)?

Das Notfalldatenmanagement (NFDM) ist eine freiwillige, kostenlose Servicefunktion in der Telematikinfrastruktur.
Das Notfalldatenmanagement umfasst zum einen den Notfalldatensatz (NFD) und zum anderen den Datensatz Persönliche Erklärungen (DPE).

Was ist der Datensatz Persönliche Erklärungen (DPE)?

Neben den Notfalldaten (NFD) können Sie auf Ihrer Gesundheitskarte den sogenannten „Datensatz Persönliche Erklärungen“ (DPE) bspw. von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt anlegen lassen. Dieser Datensatz enthält Hinweise auf den Aufbewahrungsort

  • Ihres Organspendeausweises,
  • Ihrer Patientenverfügung und
  • Ihrer Vorsorgevollmachten – insofern diese Dokumente vorhanden sind.

Die Erklärungen (Dokumente) selbst werden nicht auf der Gesundheitskarte gespeichert.

Wie kann ich einen Notfalldatensatz (NFD) auslesen?

Einen Notfalldatensatz (NFD) können Sie in 3 Schritten auslesen:

  1. Holen Sie die Einwilligung der Patientin/des Patienten zum Auslesen des Notfalldatensatzes ein.
    Ausnahme: In einer Notfallsituation dürfen Sie den Notfalldatensatz einer nicht zustimmungsfähigen Person auch ohne Zustimmung einsehen.
    Die Zustimmung bzw. die ggf. fehlende Zustimmungsfähigkeit sollten Sie stets dokumentieren.
     
  2. Rufen Sie in Ihrem Praxisverwaltungssystem bzw. im Krankenhausinformationssystem den Notfalldatensatz auf und geben Sie einen der folgenden Auslesegründe an
    • Notfall
    • Aktualisierung
    • Abruf ohne Notfallhintergrund
    Nun können die den NFD einsehen. Auslesegrund, Zugriffszeitpunkt und zugreifende Person werden auf der Gesundheitskarte protokolliert.
     
  3. Ihr Praxisverwaltungs- bzw. im Krankenhausinformationssystem kann eine Kopie des Notfalldatensatzes speichern. Diese Kopie steht Ihnen zur weiteren Nutzung zur Verfügung, bspw. zu  Dokumentationszwecken. Sie kann als Grundlage für Aktualisierungen oder für das Neuaufspielen des Notfalldatensatzes bei Kartenersatz genutzt werden.