19.10.2026 | News

Damit Krankenhaus und Arztpraxis dieselbe Sprache sprechen

Die gematik will einheitliche Regeln für den Austausch von Gesundheitsdaten schaffen. Das Konzept kann ab dem 19. Oktober öffentlich kommentiert werden.

Wer aus dem Krankenhaus zurück in die Hausarztpraxis kommt, erwartet, dass wichtige Informationen schon dort sind: Befunde, Diagnosen, Medikation. Im Alltag funktioniert das noch nicht überall reibungslos. Der Grund: Die vielen verschiedenen Softwaresysteme im Gesundheitswesen übertragen dieselben Informationen auf unterschiedliche Weise und verstehen einander deshalb nicht immer.

Die gematik will das ändern. Das Kompetenzzentrum für Interoperabilität im Gesundheitswesen (KIG) hat dafür ein Konzept erstellt, das ab dem 19. Oktober öffentlich kommentiert werden kann.

Bis zu 400 verschiedene Programme in einem Krankenhaus

In deutschen Krankenhäusern sind nicht selten bis zu 400 verschiedene Softwareprogramme im Einsatz. Das hat Folgen: Wird zum Beispiel eine Patientin von der Notaufnahme auf die Intensivstation verlegt, kommen ihre Daten und Befunde dort häufig nicht so an, dass das nächste Programm sie eindeutig lesen kann. Dasselbe gilt für den Austausch zwischen verschiedenen Einrichtungen, etwa zwischen Krankenhaus und Hausarztpraxis. Ein direkter Datenaustausch ist bisher nicht einheitlich möglich.

Gleiche Information, unterschiedlich aufgeschrieben

Zwar gibt es bereits technische Standards für den Datenaustausch. Trotzdem sind einzelne Angaben teilweise unterschiedlich aufgebaut, zum Beispiel ein Datum. Das ist vergleichbar mit zwei Menschen, die denselben Tag unterschiedlich notieren: der eine als „3. April“, die andere als „04/03“. Menschen erkennen, was gemeint ist. Computer können das nicht ohne Weiteres. Softwarefirmen müssen deshalb zusätzliche Programme entwickeln, die zwischen den Systemen übersetzen. Das kostet Geld und dauert lange.

Ein gemeinsamer Grundwortschatz

Die Lösung dafür sind sogenannte Kernprofile. Sie funktionieren wie ein verbindlicher Grundwortschatz mit eigener Grammatik: Sie legen fest, wie grundlegende Gesundheitsinformationen digital aufgeschrieben werden müssen, etwa Angaben zur Person, Diagnosen oder Medikamente. Halten sich alle Programme an diese Regeln, können sie Informationen direkt austauschen.

Für Patientinnen und Patienten heißt das: Wichtige Informationen kommen zuverlässiger dort an, wo sie gebraucht werden. Das spart Zeit und Kosten, vermeidet Fehler und verbessert die Versorgung. Auch über Ländergrenzen hinweg lassen sich Gesundheitsdaten damit leichter austauschen.

„Kernprofile sind der Schlüssel, um die digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland zukunftsfähig, effizient und patientenfreundlich zu machen. Deshalb setzen wir uns als gematik dafür ein, das Thema mit voller Kraft voranzubringen“, so Dr. Florian Fuhrmann, Vorsitzender der gematik-Geschäftsführung.

So geht es weiter

Die gematik hat ihr Konzept als Whitepaper „Governance Kernprofile“ erstellt. Es beschreibt, wie die Kernprofile in den kommenden Jahren in den Versorgungsalltag kommen sollen. Grundlage sind die Empfehlungen eines Arbeitskreises des Kompetenzzentrums für Interoperabilität im Gesundheitswesen, an dem Expertinnen und Experten verschiedenster Fachgebiete beteiligt waren.

Ab dem 19. Oktober 2026 kann das Whitepaper auf dem Portal des Vereins HL7 Deutschland öffentlich kommentiert werden. Mitte 2027 soll ein erster Fahrplan vorliegen. Anfang 2028 sollen die ersten Kernprofile veröffentlicht werden.

Das Konzept und weitere Infos stehen auf der ina-Website bereit: Kernprofile für das deutsche Gesundheitswesen | INA - Interoperabilitäts-Navigator

 

Kernprofile kurz erklärt

Kernprofile bilden eine gemeinsame Basis für Spezifikationen, den Bauanleitungen für digitale Anwendungen. Es gibt zwar schon Schnittstellen und eine gemeinsame Sprache für Spezifikationen (HL7 FHIR). Trotzdem sind Informationen teilweise unterschiedlich aufgebaut. Die Lösung sind Kernprofile: Sie sind wie ein verbindlicher Grundwortschatz und eine Grammatik für den digitalen Datenaustausch im Gesundheitswesen. Sie legen fest, wie grundlegende Gesundheitsinformationen (z. B. Patientendaten, Diagnosen, Medikamente) digital dargestellt werden müssen.