3 Fragen an Thomas Jenzen – Art Lead ÖGD
Thomas Jenzen, Art Lead ÖGD bei der gematik © Jan Pauls/gematik
Wie kann die Telematikinfrastruktur (TI) den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) unterstützen?
Der ÖGD ist eine tragende Säule unseres Gesundheitswesens. Das hat die Corona-Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Dass ein schneller und einfacher Informationsaustausch und das Teilen von Wissen insbesondere in Krisenzeiten wichtig sind, liegt auf der Hand. Hier kommen die TI-Anwendungen ins Spiel, die den ÖGD dabei unterstützen können. Das betrifft in erster Linie die kommunale Ebene, also die Gesundheitsämter. Aktuell haben 90 von knapp 400 Gesundheitsämtern in Deutschland die ersten Schritte Richtung TI gemacht. Wir erwarten, dass in diesem Jahr weitere Ämter hinzukommen. Die TI-Anbindung ist für Gesundheitsämter organisatorisch und vor allem technisch herausfordernd, weil die Strukturen andere sind als in kleineren Einrichtungen des Gesundheitswesens. Das ist uns bewusst. Umso wichtiger ist es für uns, in den direkten Austausch mit den Gesundheitsämtern zu gehen und unsere Unterstützung im Rahmen unserer Möglichkeiten anzubieten. Zu unserem Portfolio gehört z. B. eine Checkliste für den TI-Anschluss. Außerdem veranstalten wir regelmäßig Online-Sprechstunden, in denen auch Mitarbeitende aus Gesundheitsämtern ihre Fragen mitbringen können.
Du bist in der gematik als Produktmanager für den E-Maildienst KIM gestartet. Welche Rolle spielt dieser Kommunikationsdienst für Gesundheitsämter?
KIM ist in der Regel das Produkt, das nach der Anbindung an die TI als erstes in Gesundheitsämtern genutzt wird. Das ist auch in anderen Sektoren zu beobachten. Die Gesundheitsämter haben viele Kontaktpunkte mit Praxen, Kliniken und Laboren. Medizinische Informationen und Daten können z. B. im Rahmen von Begutachtungen oder amtsärztlichen Untersuchungen sicher und schnell über KIM übermittelt werden. Als ehemaliger Produktmanager für KIM liegt mir persönlich die Anwendung sehr am Herzen. Dass ich meine Erfahrungen zu unserem Kommunikationsallrounder auch in meiner aktuellen Position einbringen kann, ist natürlich ein schöner Nebeneffekt.
Woran arbeitest du aktuell mit deinem Team und welche nächsten Schritte sind geplant?
Im letzten Jahr ist die ÖGD@TI-Community gestartet. Wir haben die Community ins Leben gerufen, um möglichst viele Akteure aus dem ÖGD mit Informationen zur TI zu versorgen. Mit mehr als 1.500 Teilnehmenden allein im letzten Jahr über alle Veranstaltungen hinweg hoffen wir, dass sich nun möglichst viele Ämter an die TI anschließen. Letztes Jahr haben wir den thematischen Fokus sehr stark auf die TI-Anbindung gesetzt, in diesem Jahr sollen aus der Community Best Practices der TI-Nutzung entstehen. Die Ergebnisse der Community sollen wiederum in die Entwicklung der Endanwendersoftware einfließen. Damit verfolgen wir den bewährten Ansatz der Co-Creation, den wir in der gesamten gematik verankert haben. So können wir bereits zu Beginn der Entwicklung die richtigen Akzente setzen.