14.09.2026 | News

3 Fragen an Sebastian Labinski, Leiter Cyber Defense Center

Sebastian Labinski, Leiter Cyber Defense Center © Jan Pauls/gematik

Alle sprechen von Cybersicherheit und Bedrohungsszenarien. Wie schützt du mit deinem Team die Telematikinfrastruktur? 

Als Leiter des Cyber Defense Centers arbeite ich gemeinsam mit meinem Team daran, Schwachstellen und Bedrohungen, die auf die TI wirken, frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und auf dieser Basis geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dafür müssen moderne Tools, technisches Know-How und klare Prozesse optimal ineinandergreifen. Im Rahmen der Erkennung arbeiten wir beispielsweise mit einer modernen SIEM-Plattform (Security Information and Event Management) für das Monitoring und verschiedenen Threat Intelligence Lösungen. Weiterhin werten wir 24/7 Meldungen aus, die wir u. a. von externen Partnern wie dem BSI oder über unser Coordinated Vulnerability Disclosure Program (CVDP) erhalten. Im Team machen wir auch eine tägliche Lagebesprechung, bei der wir alle Informationen zusammenziehen, auf dieser Basis für uns ein Sicherheitslagebild erstellen und bei Bedarf die notwendigen Maßnahmen koordinieren. Dies ist wichtig, da die Bedrohungslage im Gesundheitswesen insgesamt weiter zunimmt. Dazu kommen die rasanten technischen Entwicklungen auf Angreiferseite, insbesondere durch den Einsatz von KI.  

Die TI-Sicherheitsstrategie 2030 setzt auf den Zero-Trust-Ansatz. Was bedeutet das konkret und warum ist dieser Ansatz für die Zukunft der TI so wichtig? 

Zero Trust ist ein zentraler Baustein unserer Sicherheitsstrategie 2030. Dahinter steht das Prinzip, keinem Gerät, keinem System und keinem Nutzer automatisch zu vertrauen – jede Anfrage wird kontinuierlich überprüft und anhand aktueller Informationen bewertet. Dadurch schaffen wir eine Sicherheitsarchitektur, die diesen zentralen Aspekt der kontinuierlichen Überprüfbarkeit von Anfang an „by Design“ mitdenkt und dadurch in der Lage ist, auch in einer zunehmend vernetzten und komplexen IT-Landschaft agil auf Veränderungen der Bedrohungslage reagieren zu können. Zero Trust ist deshalb nicht nur ein technisches Konzept, sondern ein strategischer Ansatz, mit dem wir die Widerstandsfähigkeit der TI im Betrieb langfristig stärken. 

Welche konkreten Projekte stecken in dieser Weiterentwicklung? 

Aktuell arbeiten wir intensiv an der strategischen und technischen Weiterentwicklung des Security Monitorings der TI. Ein wichtiger Baustein dabei ist ZETA Guard. Ziel ist es, sicherheitsrelevante Informationen aus verschiedenen Quellen intelligent zusammenzuführen und Bedrohungen schneller zu erkennen. Damit schaffen wir mehr Transparenz über die Sicherheitslage der TI und erhöhen ihre Resilienz gegenüber Cyberangriffen. Effektive Reaktionsprozesse sorgen dafür, dass Angriffe erfolgreich abgewehrt werden können. Automatisierung und der Einsatz von KI wird dabei auch auf Verteidigerseite zunehmend zum entscheidenden Faktor, um sich auf entsprechende Angriffsszenarien vorzubereiten.